Offiziell heißen sie in den deuschen Versionen "Multifunktionsleisten", im Englischen nennt man sie "Ribbon". Mir gefällt weder der eine noch der andere Ausdruck. Ich verwende hier beide Namen, schreibe aber meistens "Ribbon". Warum? Es ist kürzer. Und da "Multifunktionsleiste" genauso wenig aussagekräftig wie "Ribbon" ist, bleibt es sich gleich.
Ribbon ersetzen die Menüs und Symbolleisten der alten Versionen. In ihnen verschmelzen beide Elemente zu einer einzigen Bedienerführung. Die wichtigsten Befehle finden Sie in den Ribbon jeweils direkt in einer der Kategorien. Als Beispiel schauen Sie sich in einem beliebigen Office-Programm den Start-Ribbon an.
- In allen Programmen finden Sie die Kategorien "Zwischenablage", "Schriftart" und "Bearbeiten"; Word und Powerpoint haben noch gemeinsam den "Absatz".
- Unter "Schriftart" finden Sie überall: Schriftart und -größe; fett, kursiv, unterstrichen; Schriftfarbe.
- Weniger häufige Befehle finden Sie in den Dialogboxen.
Befehle, die Sie vermissen oder die Sie besonders häufig brauchen, können Sie sich selber in die Schnellstartleiste legen. Alle anderen Ribbons können Sie nicht verändern, wenn Sie nicht ganz tief in die Tiefen von XML und Programmierung einsteigen wollen.
Das einzige Menü, das sich nicht als Ribbon präsentiert, ist das Office-Menü. In ihm sind zum einen die meisten Befehle des alten Menüs "Datei" aufgenommen worden, zum anderen die Einstellungen aus dem Menü "Extras".
Einige Ribbon tauchen nur auf, wenn ein entsprechendes Objekt markiert ist. Ganz typisch ist der Ribbon "Zeichentools / Format". Er erscheint nur, wenn Sie eine Autoform markieren. Andere dieser Kontext-Ribbons bekommen Sie z. B., wenn Sie in Word eine Tabelle markieren oder in Excel in einer Pivot-Tabelle stehen.
Die Ribbon können Sie ein- und ausblenden. Einfach STRG+F1 drücken, dann verschwindet der Ribbon und mit dem gleichen Tastenkürzel taucht er wieder auf.
Ist es umständlicher, mit dem Ribbon zu arbeiten? Nein, definitiv nicht. Es braucht eine ganze Weile der Umgewöhnung, aber danach arbeitet man in den meisten Fällen mit dem Ribbon einfacher und schneller. Besonders profitieren die Anwender, die sich bisher in den unendlichen Menümöglichkeiten verloren haben. Mehr Schwierigkeiten haben vor allem die Anwender, die ein Programm im Schlaf gekonnt haben und extrem viele Funktionen genutzt haben: Controller in Excel, Designer in Powerpoint. Diese kleine Gruppe der Power-User wird sich auf Dauer mit der Programmierung eigener Ribbon beschäftigen müssen.
Ein paar Vorurteile möchte ich hier kurz ansprechen:
- Der Ribbon braucht viel mehr Platz als die Menüs und Symbolleisten früher.
Stimmt nicht. Ribbon sind Pixel für Pixel gleich hoch wie früher die Kombination aus Menü plus zwei Symbolleisten. - Man sucht sich zu Tode nach einem Befehl.
Ja, aber nur anfangs. Später ist die Bedienung sehr viel logischer und einfacher. Besonders die Anwender, die mehrere Office-Programme gleichermaßen nutzen, werden es schnell schätzen, dass gleiche Befehle an gleicher Stelle stehen. Für den Anfang nutzen Sie die Gegenüberstellung alter zu neuen Befehlen. - Microsoft will nur Geld verdienen mit der neuen Oberfläche
Ich verurteile niemanden, der mit Geschäftsideen Geld verdient - ich tue nichts anderes. Diese Kritik trifft aber daneben: ich habe als MVP über Jahre hinweg das Bemühen von Microsoft miterlebt, eine logischere, einfachere Bedienerführung mit den Benutzern zusammen zu entwickeln. Dafür wurden Studien gemacht, Benutzerdaten gesammelt und sehr viel Feedback eingeholt. - Warum kann nicht einfach alles bleiben wie es ist?
Weil mit immer mehr neuen Befehlen (die auf den Wünschen der Anwender beruhen) die alte Menüstruktur immer unübersichtlicher geworden ist. Die normalen Anwender haben schlicht und einfach einen großen Teil der Programmfähigkeiten gar nicht mehr gefunden. - Warum kann man nicht zwischen alter und neuer Oberfläche hin und her schalten?
Man kann, das Internet ist mittlerweile voll von Addins. Ich rate davon ab. Sie werden sich immer schwerer mit der neuen Umgebung tun, wenn Sie sich nicht irgendwann damit auseinandersetzen. - In der nächsten Version ist bestimmt alles wieder beim alten.
Nein, die neue Oberfläche wird bleiben. Ganz bestimmt.
10.02.2008